Forschung in der Schweiz: eine Tagung zur Bestandsaufnahme

Universität Lausanne
2. November 2012

- APPELL -

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Wenn auch Sie …

… denken die Forschung leidet unter dem Konkurrenzkampf zwischen den Forschenden;

… gern hätten, dass die Forschung sich nicht auf Lasten der Lehre macht, denn die Lehre ist eine zentrale Aufgabe der Universität;

… sich nicht einschränken lassen wollen in der Alternative zwischen der Universität von Gestern – elitär und konservativ – und der von Heute unter dem Zeichen der Wettbewerbsfähigkeit und der übermässigen Selektion;

… denken die Finanzierung sollte Originalität und Kreativität auszeichnen und nicht Nachahmung und Eintönigkeit;

… der Meinung sind, dass nicht jedes Wissen der gleichen Regel der Evaluation untersetzt werden kann und es in dieser Hinsicht wichtige Unterschiede gibt zwischen Natur- und Geisteswissenschaften;

… der Ansicht sind die Prozeduren des SNF sind bürokratisch, wenn nicht unsinnig, intransparent und stehlen Zeit die man eigentlich besser in die Forschung investieren könnte;

… soziale Diskriminierungen, vor allem gegenüber Frauen, in der Welt der Forschung noch verstärkter verspüren dies auch aufgrund dessen eigentlichen Funktionieren;

… keine Lust haben drei Mal den gleichen Text unter einem anderen Titel zu publizieren und zwanzig Mal dasselbe Papier zu präsentieren weil es Ihnen vielleicht die Tore zu einer Stelle oder zur Finanzierung öffnet (zumindest hat man Ihnen das versichert);

… denken eine Redezeit von zwölf Minuten in einem Kongress der mehrere hunderte davon zählt nicht unbedingt die beste Art ist ihre Arbeit vorzustellen;

… es nicht mögen „Posters“ zu präsentieren mit dem Gefühl Sie würden Schrott auf einem Trödelmarkt verkaufen;

… sich wünschen würden mehr Zeit mit Studierenden verbringen zu können anstatt den Publikationen nachrennen zu müssen;

… die Qualität eines/einer Forschende-n nicht an der Länge seines/ihres CV ablesen;

… denken die Forschung ist eine öffentliche Aufgabe, dessen Resultate frei verfügbar sein sollten damit man sie brauchen und gemeinsam nutzen kann;

… sich gegen die übermässige Ökonomisierung der Forschung, der Zeitschriften und des wissenschaftlichen Verlagswesen wehren wollen;

… finden Forschung wird nicht als Freiwillige-r oder in der Freizeit, an den Wochenenden oder während den Ferien betrieben sondern sollte korrekt entlohnt werden mit Langzeitverträgen;

… beunruhigt sind über die materiellen Verhältnisse unter anderem auch die Lohnverhältnisse mit welchen die jungen Forschenden konfrontiert sind (Arbeitslosigkeit, Interim, soziale Unsicherheiten, usw.);

… die Schnauze voll haben ein 150% Pensum für ein 40% Posten auszuüben welcher in einigen Monaten sogar aufgehoben wird;

… denken Forschung sollte sich nicht auf Projekte einschränken die zwar von grosser Bedeutung sind aber der Entscheidungsbefugnis der Universität entziehen und dann auch grosszügig subventioniert werden; sondern denken, dass Forschung ebenfalls auf einem individuellen Niveau oder innerhalb kleiner Gruppen aufbauen kann;

… finden ein kritisches Denken ist für die Universität unabdingbar;

… denken die Forschung sollte nicht im Dienste der Unternehmen, der Wirtschaft oder des Staates sein;

… echte Forschung betreiben wollen, d.h ein Objekt oder ein Terrain erforschen wollen ohne zuvor schon zu wissen was sich darin versteckt (also auch mit dem Risiko dass nichts gefunden werden kann);

Wenn Sie schliesslich, gemeinsam mit uns, eine demokratische, kreative, kollektive, begeisternde, sinnvolle und übermittelbare Forschung ausdenken wollen…

… laden wir Sie ein mit uns darüber zu diskutieren an der Tagung zur Bestandsaufnahme der schweizerischen Forschung an der Universität Lausanne am Freitag den 2. November 2012.

Es wird uns die Gelegenheit geben ein Appell zu erarbeiten welcher die echten Anliegen der Forschenden an den schweizerischen Hochschulen berücksichtigen.

Damit wir diese unerlässliche Arbeit bestmöglich vorbereiten können erwarten wir bis Ende September ihr Beschwerdeheft in welchen Sie die Arbeitskonditionen in der Welt der Forschung heutzutage festhalten können: wichtigste Problemzonen, Ideen für eine Weiterentwicklung, Träume für einen Wandel und auch – und das ist sehr wichtig – die Mittel zum Widerstand die wir da und dort schon einsetzen. Ihr Beschwerdeheft und die der anderen können sie auf unserer Website versenden und anschauen: http://sphinx2.unil.ch

Druckversion (pdf)

Bibliographie / Literatur

Die Organisation dieser Tagung – eine Premiere – liegt bei Acidul: der Mittelbau- und DoktorandInnenverein der Universität Lausanne. Acidul möchte den Forschenden Gehör schaffen in den aktuellen Diskussionen welche im SNF und in den verschiedenen Hochschulen geführt werden.